Samstag, 21. Februar 2015

50 Shades of... Abuse?

Hallo ihr Lieben!
Heute kommt mal ein etwas anderer Post. Eigentlich bin ich damit schon fast eine Woche zu spät, aber na ja, ich möchte mal eine etwas andere Sichtweise (die natürlich auch nicht neu ist) auf die ganze Sache zeigen.

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Gerade, während ich diesen Post schreibe, weiß ich nicht, ob ich ihn jemals veröffentlichen werde. (Was ich noch nie zuvor getan habe – normalerweise veröffentliche ich einfach alles, ohne groß darüber nachzudenken.) Aber normalerweise schreibe ich auch nicht über heikle Themen.

Einerseits denke ich mir, dass es nicht noch so einen Post braucht, weil jeder, der sich mit dem Thema beschäftigt, das alles sowieso schon weiß und jeder, der es nicht tut, nur genervt davon sein wird. Andererseits bin ich aber auch überzeugt, dass NIE GENUG über dieses Thema gesprochen werden kann. (Und damit meine ich nicht Shades of Grey, sondern Feminismus und Missbrauch)

Vorneweg möchte ich einmal sagen, dass niemand für die Bücher, die er mag, verurteilt werden sollte. Und ich nicht glaube, dass irgendjemand ernsthafte Probleme hat, weil er es gerade bei Shades of Grey tut—meine Mutter zum Beispiel ist ein riesiger Fan. Ich selbst habe nur den ersten Teil der Bücher gelesen (Rezi hier). Lest sie aber bitte nicht, ich finde sie furchtbar :D. Na ja, nicht furchtbar, aber sie trifft es nicht wirklich auf den Punkt. Ich weiß nicht, warum ich nicht darauf eingegangen bin, was ich während des Lesens wirklich gefühlt habe. Wahrscheinlich war mir das zu dem Zeitpunkt noch gar nicht so richtig klar. Und, hey, vielleicht war 16 doch (noch) nicht das richtige Alter, um das alles hundertprozentig zu verstehen. Was ich damals natürlich niemals eingesehen hätte, aber hey. Das Einzige, was ich davon noch unterschreiben kann, ist: Der einzige Grund, warum ich eigentlich weitergelesen habe, ist der, dass ich wissen wollte, warum Christian so ist, wie er ist. Was mit ihm nicht stimmt und wie das passiert ist.  

Jetzt weiß ich: es stimmt eine Meeenge nicht.

Ich könnte mindestens fünfzig Punkte aufzählen oder zumindest andere Leute, aber hier sind erst mal zehn—meiner Meinung nach die wichtigsten.

1.     Ignoring consent
2.     Reacting to the sentiment “no, I don’t want to have sex with you right now” by threatening to tie the speaker up, taking their clothes off, and… having sex with them.
3.     Not treating safewords as important
4.     Not treating contracts as important
5.     Joking about the importance of safewords and contracts in a D/s relationship
6.     Having a partner sign a D/s contract without telling them it isn’t legally binding
7.     Not exploring and explaining limits
8.     Forcibly preventing a partner  from learning about their limits
9.     Forcibly preventing a partner from learning about a sexual practice you are encouraging them to engage in
10.  Making a romantic relationship dependent on indulging non-mutual kinks


FAZIT:
50 Shades of Grey is a movie that teaches women that it’s okay to be abused, and that men can get away with abusing them. That’s not okay.


Obwohl es fast zwei Jahre her ist, dass ich das Buch gelesen habe, erinnere ich mich immer noch an das Gefühl, wie unwohl ich mich in manchen Szenen gefühlt habe. Wie ich dachte: Nein, nein, nein. Ich will das nicht lesen. Ich will das nicht tun. Hau doch endlich ab da. Und ich glaube nicht, dass ich da die Einzige bin. Meine Mutter zum Beispiel hat gesagt, dass sie den ersten Teil nicht so mag, weil da die „schlimmsten“ Szenen enthalten sind. Sie wollte einfach nur eine schöne Liebesgeschichte lesen. Und es gibt ja auch ein Happy End (soweit ich mich erinnere). Das spielt nicht mal eine große Rolle. Es denkt nur einfach niemand darüber nach, wie falsch das ist.

Und ja. Natürlich ist es unterhaltsam. Und es hat etwas Verbotenes und es ist irgendwie aufregend und deswegen haben es alle gelesen und deswegen reden jetzt, wo der Film rauskommt, wirklich ALLE darüber, weil auch diejenigen, die zu faul waren, das Buch/die Bücher zu lesen, sich damit beschäftigen. Und alle plötzlich über Kabelbinder reden oder darüber, wie toll doch Christian Grey ist, ist das Einzige, was ich denken kann:

Nein.
Das ist nicht okay.

Es ist nicht romantisch.





Und Leute ernsthaft. Niemand kann mir erzählen, dass das VALENTINE’S DAY unter jedem verdammten Kinoplakat nicht einfach… falsch ist. Das ist so ironisch und irgendwie unfassbar ist, dass mich alleine das schon total wütend macht. Nicht, weil ich den Valentinstag so gerne mögen würde, sondern, weil das der Tag ist, an dem man sich Zeit für die Person, die man liebt, nehmen soll, weil es vielleicht sonst schwer in den Alltag zu integrieren ist. Und Shades of Grey IST NICHT ROMANTISCH.

Das Ganze wäre ja nicht so schlimm…—zumindest nicht ganz so sehr. Wenn es von der Autorin nicht beabsichtigt wäre, und ich will nicht sagen, dass es das ist, aber einfach ihre Reaktion zu den „Anschuldigungen“ hat mich noch viel wütender gemacht.

Sie sagte nämlich in einem Interview:

“Nothing freaks me out more than people who say this is about domestic abuse,” she says. “Bringing up my book in this context trivializes the issues, doing women who actually go through it a huge disservice. It also demonizes loads of women who enjoy this lifestyle, and ignores the many, many women who tell me they’ve found the books sexually empowering.”


Eigentlich sagt das ja schon alles. Bis ich mich wirklich mit diesem Thema auseinandergesetzt hatte, dachte ich ja auch nur… hey, es basiert eigentlich nur auf einer Twilight-Fanfiction. So schlimm kann das ja nicht sein. Aber wie gesagt, jetzt macht mich das Thema richtig sauer.

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Was sagt ihr zu diesem Thema? Habt ihr euch schon mal Gedanken darüber gemacht? Habt ihr die Bücher gelesen, den Film gesehen oder vor es zu tun?

Kommentare:

  1. Ich hab das Gefühl, dass alle, die meinen das Buch sei romantisch und man würde es nicht verstehen, gar nicht versuchen die Argumente zu verstehen. Sie entschuldigen Christians Verhalten mit einer plakativen Missbrauchsvergangenheit und das es ja eh nur Fiktion ist und jeder der sagt, dass es hier um Missbrauch geht, glaubt dass man das BDSM Topic anspricht, dabei kapieren sie nicht, dass es darum geht, was außerhalb des Schlafzimmers passiert. Wie er sie kontrolliert und isoliert und bedroht, wenn sie aufmuckt.
    Ich finde diese Plakate so erschreckend, gerade weil die Zitate darauf in ihrer Heftigkeit beim lesen nicht rüberkommen.

    Liebe Grüße.

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    1. Ja, das Gefühl habe ich leider auch. Oder dass sie es gar nicht verstehen WOLLEN.
      Genau. Es geht überhaupt nicht um BDSM. Es ist viel schlimmer, dass das Thema damit so... schlecht gemacht wird, obwohl es ja an sich überhaupt nichts Schlechtes ist.

      Liebe Grüße zurück (:

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  2. Ach du kacke. Diese Zitate auf den Plakaten finde ich ganz schlimm, das ist ja richtig gestört, wie kann man nur so ein Kontrollfreak sein? So hervorgehoben ist das natürlich auch noch viel schlimmer als im Zusammenhang mit Szene glaube ich. Aber irgendwie ist das schon ironisch wie Frauen Jahrzehnte für ihre Freiheit und Unabhängigkeit gekämpft haben und solche Filme und Bücher das irgendwie mit Füßen treten. Und das Statement der Autorin. Also ich wurde von meiner Cousine gespoilert und im ersten Band soll der sie als Strafe richtig hart gepeitscht haben, obwohl sie das nicht wollte, aber er hat nicht aufgehört. Was ist das denn.

    Alles Liebe,
    May

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    1. Ich finde, es ist noch mal etwas ganz anderes, wenn das auf diesen Plakaten dargestellt wird.
      Und die Szene, die du erwähnst, ist genau das was ich meine!

      Liebe Grüße :)

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    2. Aber in der Szene geht es ja mehr drum dass sie sagt: zeig mir wie schlimm es werden kann! Also ist er direkt von 0 auf 100% und sie war so verschreckt dass sie gegangen ist. Wohl bemerkt hatten die beiden da schon Regeln etabliert und sie hätte es jederzeit stoppen können. Und sie wusste dass er nur das eine möchte oder gar nichts, weswegen sie ging.

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  3. Ja, ja, ja, ja, ja! Ich gestehe, ich hab weder die Bücher gelesen (habe es aber inzwischen vor, einfach um besser argumentieren zu können), noch den Film gesehen, aber ich hab vieles darüber gelesen, wie problematisch das Ganze ist und bin immer ganz schockiert, wenn das Lesern nicht bewusst ist. Toll, dass du darüber schreibst, das sollten viel mehr Personen tun!

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    1. Genau... das finde ich eben auch und deswegen habe ich den Post auch gemacht.
      Oh, das freut mich zu hören :)
      Liebe Grüße!

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  4. Ich habe ein Stück weit das "50 Shades" meiner Tage gelesen, "Die Geschichte der O", und dieverse Reviews über sogannte Bodice Ripper Romance Novels - die Faszination an Unterwerfung und Vergewaltigung (auch) bei weiblichen Autoren ist etwas das ich zutiefst beunruhigend finde.

    Und die Aussage der Autorin:
    "this context trivializes the issues, doing women who actually go through it a huge disservice."
    So würde sie genau passen, auf Bücher wie "50 Shades" und diverse sogenannte Romanzen.

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